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Bericht

 

Es ist Sonntag der 19. April 2009 fünf Uhr dreißig und der Wecker läutet.

Der große Tag ist da. Heute beim 26. Vienna City Marathon laufe ich das erste Mal soweit wie noch nie, laufe ich das erste Mal vor so vielen Leuten wie noch nie und ich laufe das erste Mal mit so vielen Läufern wie noch nie.

Kurz vor der Abfahrt

Die Facts:

  21 km    400.000 Zuseher    29.000 Läufer/innen

Nach dem ich mich aus dem Bett gekämpft habe geht es nahtlos zum Frühstück über; Ein Kaffee, ein Marmeladebrot und eine Banane.

Gut, nun geht es an das anziehen und noch mal ans kontrollieren ob man eh alles mit hat, denn am „großen Tag“  soll ja alles perfekt sein!

Um sechs Uhr dreißig klopft Walter und wir treffen kurz darauf auf Alex, unseren Postler der auch mitläuft.

In der U-Bahn treffen wir auch schon weitere Läufer/Innen.

Angekommen bei der U1 Station „Alte Donau“  steht Roland schon da und kurz darauf stößt auch Michi zu uns. 

Wir gingen einmal vor zum Startplatz der Elite und genossen die Atmosphäre und den Rummel rund um den Lauf-Event des Jahres.

Roland,Walter,Alex,ich und Michi

Danach zogen wir uns um und brachten unsere Kleidungssäcke zu den Lkws.

Das Wetter war perfekt und so wurde mir nicht wirklich kalt, denn wir hatten noch ca. eine halbe Stunde bis zum Startschuss.

Die letzten Vorbereitungen und Fotos waren gemacht, da spielte es die österreichische Nationalhymne und alle klatschten danach.

Es war wie in einem vollen Fußballstadium, jedoch waren dieses mal wir die Stars.


Michi und ich, eine Minute vor dem Start.

Die Hupe ertönt, das heißt es ist eine Minute vor neun Uhr und die Elite startet.

Jetzt wird´s schön langsam ernst und mein Puls beginnt zu steigen!

„Knall“ der Startschuss für uns, alle beginnen erneut zu klatschen, jetzt ist es so weit und Gänsehaut belegt meinen ganzen Körper!

Wir fünf klatschen noch ein letztes mal ab und wünschen uns alles Gute.

Jetzt beginnt die Meute endlich zu gehen und nach ein paar Metern stoppt sie wieder, aber nur kurz.

Wir beginnen zu traben und kurz vor der Startlinie wird es endlich etwas schneller.

An der Linie angelangt drücke ich auf meine Pulsuhr und ehe ich mich umsehen kann, sind meine Begleiter schon weit weg von mir.

Na ja, die laufen ja auch schneller!

In der Mitte der Reichsbrücke angelangt blicke ich mich einmal so um und ich sehe nur Leute, Leute, Leute.

Ich habe ja schon an einigen Läufen teilgenommen aber das hätte ich mir nicht erwartet, die Menschenschlange nahm kein Ende, ein Wahnsinn. 


Über 29.000 Läufer!!!

Beeindruckt von den Menschenmassen vergaß ich ganz auf meinen Puls zu schauen, da ich mir ja meine Kräfte einteilen wollte und auch musste, aber die Uhr zeigte knapp über 150 Schläge in der Minute und das war genau der Bereich den ich mir vorgenommen hatte zu laufen damit ich ca. einen Kilometerschnitt von sieben Minuten habe und meine Wunschzeit von zwei Stunden und dreißig Minuten in Erfüllung geht.

Umzingelt von so vielen Läufern kam ich zum ersten Kilometer und den rannte ich in 6:40, das war super jedoch ertappte ich mich wie ich schon wieder schneller wurde und mein Puls in die Höhe ging.

Also wieder ein paar Schritte langsamer denn ich hatte noch fast 19 Kilometer vor mir.

Nach dem Praterstern führten die zwei Menschenschlangen zusammen und es wurde noch enger rund um mich.

In der Hauptallee, welche ich ja gut von den Vorbereitungsläufen kannte musste ich plötzlich auf die kleine Seite und ich bemerkte, dass ich nicht der einzige war.

Schwupps, Schwupps, einer nach dem anderen bogen zu einem Baum ab und erleichterten sich, also auch ich.

Zurück an der Strecke war auch schon die erste Verpflegungsstation zu sehen, aber das Problem war nämlich folgendes; als Walter so nett war und meine Eigenverpflegung mit auf die Messe zu nehmen, erfuhr er, dass diese eigentlich nur für Marathonläufer und nicht für Halbmarathonläufer war.

Zum Glück kontrollierte der Herr auf der Messe nur Rolands und Walters Startnummer und nicht meine, so nahm er die Verpflegung von mir auch entgegen.

Also ließ ich mich überraschen ob sie auch dort stand. Und siehe da, ich habe sie auch gleich gefunden.

Gut, das war geschafft und es bleiben nur noch sechzehn Kilometer.

Ich blickte immer wieder auf meine Uhr und ich war super in der Zeit sogar schon um eineinhalb Minuten unter meiner geplanten Zeit.

Auf der Schüttelstrasse, ca. bei Kilometer acht sah ich schon die ersten Läufer nicht mehr laufen sondern schon gehen und ich dachte mir, dass es schon gut war diesen gewaltigen Lauf richtig einzuteilen und nicht zu schnell anzugehen.

Eingebogen über die Brücke zum Schwedenplatz bekam ich erneut eine Gänsehaut, denn da standen das erste mal sehr viele Leute die uns anfeuerten.

Am Ring angelangt spürte ich das erste mal mein linkes Knie, doch die Gedanken waren gleich wieder bei der nächsten Verpflegungsstation und ob dort meine Flasche mit dem Gel-Pack stand.

Alles da, wunderbar!

Schnell das Gel in den Mund und gleich nachspülen, denn das ist irrsinnig süß und verklebt dir den ganzen Mund.

Ein erneuter Blick auf meine Uhr verriet mir das ich nicht mehr bei 150 Puls war sonder schon mit 160 laufe.


Da laufe ich am Ring

Was mir aber nichts ausmachte da meine Kilometerzeiten sehr konstant blieben und ich eigentlich noch immer zulegen könnte wenn ich wollte.

Bei der Oper verengte sich die Spur etwas und es war der erste wirkliche Highlight.

Links und rechts Zuseher die uns anfeuerten, eine Bühne und die Musik brüllte, aber das beste war ich hatte schon elf Kilometer in den Beinen und es ging mir einfach gut!

Auf der linken Wienzeile waren nicht mehr so viel Zuseher und auch meine Mitläufer wurden weniger, kam mir zu mindestens so vor.

Die Sonne knallte herunter und bei Kilometer zwölf machte sich plötzlich wieder mein Knie bemerkbar, aber es blieb zum Glück beim „bemerkbar machen“.

Jedoch verspürte ich jetzt doch eine kleine konditionelle Schwäche und meine Pulsuhr bestätigte mir das, denn ich war jenseits von 160 Schlägen und pendelte mich schon bei 170 Puls ein, aber das Gefühl noch schneller zu laufen war noch immer da und das beruhigte mich wieder.

Ich hatte sogar einen Zielsprint im Hinterkopf, aber ich ließ mich überraschen wie es mir zum Schluss geht.

Nun zählte ich nur mehr die Kilometer bis ich mein Team bei Schönbrunn sehe und wie es werden wird. Dabei bekam ich glasige Augen!

Angelangt bei Kilometer fünfzehn und der Verpflegungsstation wurde ich leider enttäuscht, da meine Flasche nicht da war, also nahm ich einen Schluck Wasser und weiter ging´s zu meinen Lieben, denn die hatten hoffentlich meine Notverpflegung mit und nicht darauf vergessen!

Als ich bei den Staffelläufern vorbei kam standen eigentlich noch genug davon da und ich dachte schon ich laufe langsam! Ha, Ha, das war wie Balsam für meine Seele.


Vor Schönbrunn und ich suche mein Team!

Abgebogen in die Richtung unseres Treffpunktes konnte ich weit und breit keinen von meinen Leuten sehen?!

Doch endlich, in der Kurve zum Technischen Museum, da standen sie. Ich machte mich durch wildes herumwinken bemerkbar und sie sahen mich zum Glück rechtzeitig.

Mein Puls stieg auf über 180 und ich deutete das ich meine Flasche brauche und Patrick gab mir diese auch, dafür bekam er ein schnelles Bussi und weiter ging es.

(Nach dem Lauf bekam ich eine Rüge, da ich nur Patrick küsste!)

Beim Museum vorbei war es dann so weit.

Mein Knie meinte, dass es mich für heute schon lange genug getragen hätte und machte sich mit starken Schmerzen bemerkbar.

Ich jedoch dachte nicht ans Aufhören, jetzt bin ich nur mehr vier Kilometer von meinem großen Ziel entfernt und werde sicher nicht aufgeben.

Geplagt von Knieschmerzen und einer nicht mehr vorhandenen Kondition lief ich einfach nur mehr vor mich hin und die herunter prallende Sonne machte es mir nicht leichter.

Am Westbahnhof vorbei schöpfte ich neue Hoffnung.

Die Schmerzen kamen jetzt auch schon in der Leiste und in den Zehen, aber sie pendelten sich halbwegs ein. Da ich nur mehr zwei Kilometer zu laufen hatte und ich meinen Körper versprach ihn eine längere Pause zu vergönnen wenn wir das hier gemeinsam durchstehen.

Bei Kilometer 20 nahm ich mir meine letzte Flasche und trank noch ein paar Schluck bevor ich zu meinen geplanten Zielsprint antrete.

Da ich jeden Kilometer konstant schneller lief als eigentlich geplant liebäugelte ich schon mit einer guten Zeit weit unter zwei Stunden dreißig.

Also Zähne zusammen beißen und ab geht´s!

Da es jetzt fast nur mehr bergab geht läuft es sich ein bisschen leichter und ich kann leicht mein Tempo erhöhen.

Am Ende der Mariahilferstrasse angekommen sehe ich auch schon die Trennung zwischen Marathon und Halbmarathon.

Ich nehme die richtige Spur und erhöhe noch mal das Tempo.

Jetzt geht alles wie im Flug, ich überhole einen nach dem Anderen und biege auf den Ring. Dort wird es noch mal enger da ja quasi drei Spuren geführt werden und am Ende meiner Spur steht plötzlich ein Rettungsauto und die vor mir laufenden werden kurz gestoppt. In diesen Moment dachte ich mir nur, wenn ich jetzt stehen bleibe komme ich nie mehr ins laufen, doch ich hatte Glück und die Rettung fährt weg bevor ich diese Stelle erreichte.

Nach dem kurzen Stück am Ring geht es jetzt zum Heldenplatz – das lange ersehnte Ziel.


Nur noch wenige Meter bis zum Ziel

Hunderte wenn nicht tausende Fans stehen links und rechts und feuern uns an, aber ich bekomme nicht wirklich viel davon mit – mein Puls ist schon längst im roten Bereich. Das heißt : Maximalpuls von 190 Schlägen in der Minute.

Ich laufe durch den Siegesbogen über den blauen Teppich den ich mir schon so lange erseht habe Richtung Ziel.

Ich blicke noch mal links und rechts und sehe nur mehr Leute wo das Auge hinreichte.

Mir kam es so vor als wären Millionen von Augen auf mich gerichtet und in diesem Moment wurde es mir klar.  Ich habe es geschafft und riss meine Hände mit meiner  letzten Kraft Richtung Himmel.


Ohne Worte!!!

Der Blick auf die Zielzeit sagte mir, dass ich unter 2:30 geblieben bin und somit war meine Mission „VCM Halbmarathon 2009“ VOLLBRACHT!!!

Kurz nach dem Ziel blieb ich kurz stehen, da ich am Ende meiner Kräfte angelangt war und mir mein Körper eindeutig mit großen Schmerzen zu verstehen gab das wir es geschafft haben, aber er jetzt sofort die versprochene Pause haben will.

Nun, nach kurzer Pause humpelte ich zu meiner, mir schwerverdienten Medaillie.


Ein Traum ging in Erfüllung

Danach ging es weiter und ich braute etwas zu trinken, doch da gab es nur Stilles Wasser – kein Iso oder der gleichen.

Na ja, es gab dafür ein Finisher-Sackerl mit einigen nützlichen Sachen darin.

Hinaus durch den engen Ausgang und hin zu meiner Family die schon auf mich warteten. Es war ein toller Empfang und sie waren wirklich Stolz auf mich.


Das T-Shirt hatte ich mir schwer verdient

Ich zog mir mein „Geschafft“ T-Shirt an und wir zogen uns in den Schatten zurück wo mir mein Schatz gleich ein Cool-Pack aufs Knie drückte und wir alle eine kleine Stärkung zu uns nahmen.

Ich war froh meine lieben um mich zu haben und gemeinsam mit ihnen den Erfolg zu genießen. (sie sahen auch supertoll aus mit ihren Leibchen!)


Mein Team

Nach einer kurzen Pause begleitete mich Patrick zur Medailliengravur und da hatte ich es dann erst geschnallt: 2:19:43!!!

Ja!!! Unter zwei stunden und zwanzig. Echt super!

Danach holten wir noch mein Kleidersackerl von dem Lkw.

Danach trafen wir Christine, mit der wir gemeinsam auf Walter warteten.

Als Walter zu uns stieß sah er nicht wirklich gut aus, aber verständlich nach einem Marathon in dieser kurzen Zeit.

Ein wenig später kam auch Roland zu uns dessen Körper auch einige Strapazen ausgesetzt war zu uns und wir verweilten noch etwas am Heldenplatz, denn an diesem Tag wurden wir alle 29.000 Läufer zu kleinen Helden.

Wir waren dann gegen halb vier zu Hause, wo ich mir gleich die Aufzeichnung des    26. VCM ansah und dabei eingenickt bin.

Am Ende war es einer meiner schönsten Tage in meinem Leben und ich bedanke mich bei meinem Team:

Karin, Cora, Patrick, Rebecca – Zoe und Jenny

Und auch bei meinen Freunden und Mitstreitern:

Michi, Roland und Walter

und deren Familien und Freunden für die tolle Unterstützung.

DANKE!!!

Keep on running!

Euer Tommy

 

   

 

 

 

  

 









Letztes Update:
26.09.2009
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